Kirchen

Evangelische Pfarrkirche

St. Georg und Maria zu Kleinlangheim
Evang.-Luth. Pfarramt Kleinlangheim
Hauptstraße 30
97355 Kleinlangheim

 

Telefon: 09325 273
Telefax: 09325 6204

Pfarrer Gerhard Homuth

Gottesdienste:
Sonntag 10:00 Uhr

Katholische Kirche

zuständiges Katholisches Pfarramt Großlangheim
Hauptstraße 40
97320 Großlangheim

 

Telefon: 09325 370
Telefax: 09325 980551

Pfarrer Bernd Steigerwald

Gottesdienste:
Samstag Vorabendgottesdienst 19:00 Uhr
Sonntag 08:30 Uhr
Sonntag 10:00 Uhr
im Wechsel

Baugeschichte

Die Kirchenrenovierung (1972‑1974) schloß die Lücken in der Besiedlungsgeschichte Kleinlangheims und erhellte die Baugeschichte der Pfarrkirche. Die erste Pfarrkirche des Ortes wird in die Mitte des 7. Jhs. datiert und als ein kleiner, hölzerner, ca. 11 x 5 m großer Fachwerkbau beschrieben, der in die Randgräber eines, auch weiterhin benutzten, Friedhofes gebaut wurde.

Zerstörungen bzw. bauliche Erweiterungen und Umbauten veränderten das Aussehen der Pfarrkirche. Die heutige Größe erhielt das Langhaus in den Jahren 1594 und 1685.

Die letzten baulichen Veränderungen fanden während der Kirchenrenovierung statt. Die äußeren Emporenaufgänge wurden abgerissen und in den Innenraum verlegt. Unter die erste Empore wurde eine Wand gezogen, die Platz für einen Heizungsraum und einen Vorraum im Eingangsbereich schuf.

Äußeres

In der Nordseite des Langhauses befindet sich das, durch einen einfachen Strebepfeiler durchtrennte, ehemalige Nordportal, das zu unbekannter Zeit mit "Bauschutt" zugemauert wurde. Bei seiner Freilegung, während der Kirchenrenovierung, entdeckte man das Sandsteinrelief. Es stellt die Verratsszene im Garten Gethsemane dar. Im Hintergrund stehen, von einem kleinen Dach geschützt, vier stark verwitterte Evangelisten aus Sandstein und zwei Grabplatten.

Der Turm hat sechs Stockwerke und schließt mit einer Zwiebelkuppel samt Laterne und Wetterhahn. Bis ins 13. Jh. diente er als Altarraum. Seitdem als Glockenturm bzw. seit 1974 als Sakristei. Eine Sandsteintafel mit der Jahreszahl und dem Gemeindewappen auf der Südseite belegen, daß der Turm im Jahr 1594 um drei Stockwerke erhöht wurde.

Das Treppenhaus als Zugang zu Kirche und Orgelempore wurde in der Mitte des vorigen Jhs. von dem Maurermeister Metzger aus Wiesenbronn errichtet. In die Vorderseite wurde ein Sandsteinrelief (um 1550) eingesetzt, das bedauerlicherweise sehr stark verwittert ist. Es zeigte einmal Mariae Verkündigung mit dem Stifter des Reliefs. Das Glockengeläut zählt zu den ältesten und schönsten des Landkreises. Die sogenannte ZwölfUhr­Glocke ist 136 cm hoch und am oberen Rand mit Zinnen­und Maßwerkfries geschmückt. Sie wurde 1491 mit einer lateinischen Umschrift gegossen. Die Elf‑Uhr‑Glocke ist 85 cm groß und ebenfalls reich verziert, Sie wurde 1424 in Nürnberg vom "magister petrus" angefertigt. Im Jahr 1958 wurde die sogenannte Ewigkeitsglocke als Ersatz für die im 2. Weltkrieg abgenommene Kleine Glocke aus dem 16. Jh. angeschafft.

Innenraum

An dieser Stelle möchte ich Sie zu einem Rundgang einladen, der mit den Epitaphien an der linken Wandseite beginnt.

Es handelt sich hierbei um drei Grabplatten des ortsansässigen Herrschergeschlechts der "Zölner von der Halburg".

Sie stammen aus der 2. Hälfte des 16. Jhs., wobei die Grabplatten zwei und drei die Familie des Martin Zölner darstellen. Die fünf Kinder auf der rechten Grabplatte waren die letzten Nachkommen dieses Adelsgeschlechts und sind alle zwischen 1572-1574 gestorben.

Anläßlich des 400jährigen Jubiläums der Reformation wurde für den in Kleinlangheim geborenen kursächsischen Kanzler und Freund Luthers Dr. Christian Beyer eine Gedächtnistafel angebracht. Bekannt wurde er durch die Verlesung des Augsburger Bekenntnisses auf dem Reichstag 1530.

Im Fenster wird Jesus am Kreuz dargestellt und rechts bzw. links daneben stehen Maria und Johannes (vgl. Joh. 19,26f).

In den ersten Amtsjahren des Pfarrers Georg Blank (1722-1739) erhielt das Innere der Pfarrkirche ihr heutiges Gepräge. Die Kanzel trägt an ihrem Korpus fünf farbige Figuren. Es handelt sich dabei um die vier Evangelisten und in der Mitte um Christus. Hinzu kommt noch ein Engel mit Posaune auf dem Kanzeldeckel. Der Kauf dieser Figuren wurde um 1725 mit Spenden finanziert.

Die lateinische Inschrift am Deckelrand lautet zu deutsch: "Rufe getrost, halte nicht an dich! Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem Volk seine Abtrünnigkeit. Jes. 58".

Der einfache Barockaltar stammt aus Prichsenstadt. Die beiden gewundenen Säulen sind weiß marmoriert und mit Weinlaub und viel Goldbesatz verziert. Das Altarbild wurde 1849 von dem Maler Carl Hösch geschaffen. Es zeigt die Auferstehung Christi. Darunter befindet sich in der Predella eine Abendmahlsszene, die vor 1700 entstanden ist.

Der bewegliche Altartisch im Vordergrund wurde im Rahmen der Kirchenrenovierung installiert.

Über dem Hochaltar erhebt sich die Orgelempore. Aus den Pfarrakten geht hervor, daß 1669 die erste Orgel in der Kirche errichtet wurde. Im Jahr 1731 wurde sie in die Mitte der Empore gesetzt und auf beiden Seiten mit stummen Pfeifen und Goldschmuck verziert. Der Orgelbauer Michael Voit aus Schweinfurt fertigte 1801 eine neue Orgel an. In diese Orgel fügte er Teile des alten Instruments ein. Heute steht diese Orgel wegen des sehr seltenen, romantischen Registers "undamaris" (Meereswelle) unter Denkmalschutz.

An der Wand links neben der Orgel befindet sich eine stark verblaßte Wandmalerei. Während der Kirchenrenovierung wurden im gesamten Innenraum Wandmalereien entdeckt, die mit einem Künstler namens Umbeer (um 1602) in Verbindung gebracht werden. Bedauerlicherweise war eine Restaurierung nicht mehr möglich, so daß sie bis auf zwei Beispiele (Hinzu: Kreuzigungsszene an der Südwand auf der ersten Empore) wieder unter dem Wandputz verschwanden.

Der Taufstein (15. Jh.) besteht aus gehauenem Sandstein. Das achteckige Becken ruht auf einem Fuß mit Maßwerkblenden. Das innenliegende Messingbecken wurde 1729 erworben.

Die erste Empore trägt einen Gemäldezyklus (um 1650), der im Garten Eden beginnt und auf Golgatha endet. Der Künstler ist unbekannt, jedoch soll er sich bei seinem Werk an holländische Vorbilder angelehnt haben.